21.04.2026

100 Stühle für den Neumarkt – so verändert eine Idee den Raum

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des hdak – Haus der Architektur Köln am 10. Mai 2025 bekam das Projekt „1000 Stühle 1000 Bäume“ neue Aufmerksamkeit. Mit der so einfachen wie wirkungsvollen Idee, 100 rote Stühle auf dem Kölner Neumarkt zu platzieren.

Ein Platz wie eine Piazza in Italien

Am Vormittag trifft ein LKW ein und bringt die Stühle – original Fermob-Modelle, wie man sie aus dem Jardin du Luxembourg in Paris kennt und die heute auch in Städten wie New York, London oder Zürich zu finden sind. Kaum sind sie aufgestellt, beginnt sich der Platz zu verändern.

Der von großen Bäumen gesäumte Neumarkt wurde lange vernachlässigt. Jetzt wird er bewusst genutzt. Die Menschen setzen sich, kommen ins Gespräch, lesen, lachen oder genießen einfach die Sonne. Innerhalb kürzester Zeit entsteht eine Atmosphäre, die eher an eine italienische Piazza erinnert als an einen Platz, der in Köln gerade in den letzten Jahren leider wenig Anlass für gute Berichterstattung war.

Jung und Alt, Familien, Geschäftsleute, Touristinnen und Touristen – sie alle teilen sich den Raum. Die Stühle schaffen genau das, was dem Platz zuvor gefehlt hat: Anlass zum Verweilen und zur Begegnung. Ganz spontan und ohne lange Planung.

Vom Experiment zur Bewegung

Als die Stühle am frühen Nachmittag wieder abgebaut werden sollen, fällt es vielen schwer, ihren Platz zu verlassen. Schon während der ersten Stunden wird immer wieder der Wunsch geäußert, die Stühle dauerhaft stehen zu lassen. Jetzt aber heißt es, vorerst Abschied zu nehmen – 30 junge Leute in weißen Overalls tragen die roten Stühle in einer langen Reihe zum Josef-Haubrich-Hof. Dort werden sie für das 20-Jahre-hdak-Fest gebraucht.

Viele halten die Aktion für eine Maßnahme der Stadt – erst ein Flyer klärt darüber auf, dass es sich um eine Intervention des hdak handelt.

Die positive Resonanz führt direkt zum nächsten Schritt: Die Stühle bleiben – zunächst für zwei weitere Wochen. Die organisatorischen Anforderungen sind hoch, insbesondere die geforderte ganztägige Betreuung. Doch hier entsteht etwas Neues: Engagierte Bürgerinnen und Bürger übernehmen Verantwortung. Rund 30 „Stuhlfreunde“ sichern im Schichtsystem die Präsenz vor Ort.

Unterstützt durch ein begleitendes Kulturprogramm wird der Neumarkt in dieser Zeit zu einem offenen, lebendigen Treffpunkt.

Ein Sommer für alle

Die Begeisterung reißt nicht ab. Schnell wird klar: Die Stühle sollen länger bleiben. Mit Unterstützung der Kreissparkasse, der Sparkasse KölnBonn und KölnBusiness kann der Betrieb schließlich für fünf Monate gesichert werden.

Der Neumarkt verändert sich nachhaltig – zumindest für einen Sommer. Die Menschen nutzen den Platz, bleiben länger, kommen miteinander ins Gespräch. Die anfänglichen Bedenken lösen sich auf: Die Nutzung bleibt friedlich, es gibt keine Zwischenfälle, kein Vandalismus, kein einziger Stuhl geht verloren.

Was bleibt, ist vor allem eine Erkenntnis: Mit einfachen Mitteln lässt sich die Qualität öffentlicher Räume spürbar verbessern.

Und wie geht es weiter?

Nach dem Sommer werden die Stühle eingelagert – in einem Keller direkt am Neumarkt. Die Fragen bleiben:

Wann kommen die roten Stühle zurück?
Und vor allem: Wie kann sich der Neumarkt dauerhaft verändern?

Die Aktion hat gezeigt, welches Potenzial in diesem Ort steckt. Nächste Schritte sind bereits in Planung. Wir werden darüber informieren.