„Wann kommen die Stühle auf dem Neumarkt endlich wieder?“ Ein Interview mit Dörte Gatermann
Stühle bringen Menschen ins Gespräch, Bäume verbessern das Klima – zusammen entsteht ein öffentlicher Raum mit neuer Qualität. Das hdak-Projekt 1000 Stühle 1000 Bäume verbindet beides und zeigt, wie bürgerschaftliches Engagement die Stadt nachhaltig verändern kann.
Wie es mit dieser Idee weitergeht, wo das Projekt steht und welche Perspektiven sich daraus für Köln ergeben, erläutert Initiatorin Prof. Dörte Gatermann, Vorstandsvorsitzende des hdak, im folgenden Interview.
Wo steht das Projekt 2026, nachdem es 2024 initiiert wurde?
Dörte Gatermann: Wir, das heißt unser 1000 Stühle 1000 Bäume-Team, sind sehr weit gekommen: Wir haben aus 27 Bewerbungen 5 Plätze für das Projekt ausgewählt, die jetzt realisiert werden können. Diese Projekt-Initiativen aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern befinden sich in unterschiedlichen Phasen – so ist beispielsweise für den Luftschiffplatz in Nippes klar: Hier können wir die geplanten Bäume direkt in die Erde setzen und dort die Stühle gekoppelt in größerem Maßstab hinstellen. Ein anderes Beispiel: Der städtische Platz am Literaturhaus erinnert mich mit dem Offenen Bücherschrank an ein Wohnzimmer. Er kann jetzt mit Bäumen und Stühlen ausgestattet werden. Hier will ein Anrainer, die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), das Projekt dankenswerterweise unterstützen.
Verantwortung vor Ort wird also groß geschrieben?
Dörte Gatermann: Ja, ein wichtiger Aspekt. Die Gruppen setzen ihre Projekte eigenständig um, kümmern sich dauerhaft um die Stühle, die Bäume und den Ort, den sie gemeinsam geschaffen haben. Für uns war und ist wichtig: Wir haben förderfähige Projekte ausgewählt und hdak-Pat:innen begleiten die Gruppen bei Planung, Abstimmung und Umsetzung. Es gibt also Unterstützung bei fachlichen Fragen, die Verantwortung liegt aber bei den Gruppen vor Ort.
Es ist viel Dynamik entstanden …
Dörte Gatermann: Und wie. Auch am Klettenplätzchen treiben die Menschen das Projekt mit ganz viel Herzblut voran, hier sind beispielsweise vorübergehende Lösungen über Einpflanzungen in Kübeln im Gespräch. Und für den Dorothee-Sölle-Platz, ein sehr großer Platz am Stadtgarten, war nach dem fantastischen Fest in 2025 klar, wie dieser Ort in Zukunft aussehen könnte. Ich bin zuversichtlich, dass überall gute Lösungen auf dem Weg sind.
Ein weiterer Platz ist der Josef-Haubrich-Hof mit dem weißen hdak-Kubus. Wie ist die Situation dort?
Dörte Gatermann: Dieser Platz hat ja erfreulicherweise schon Bäume. Da wir 2025, zusammen mit der damaligen Oberbürgermeisterin und Schirmherrin Henriette Reker, der VHS und der Stadtbibliothek bereits Stühle übergeben haben, ist die Situation geklärt – sie können aufgestellt werden.
Was muss passieren, dass 1000 Stühle 1000 Bäume auch 2026 weiter wirkt?
Dörte Gatermann: Jetzt müssen wir ein gemeinschaftliches Team mit der Stadt Köln werden. Es sind für die Umsetzung sehr viele Ämter beteiligt, weshalb eine Koordinationsstelle sehr hilfreich wäre. Ich habe so viele positive Resonanzen auch von städtischen Mitarbeiter:innen bekommen. Überall höre ich: „Frau Gatermann, wir möchten, dass dieses so schöne Projekt umgesetzt wird.“ Und ich werde oft gefragt: „Wann kommen die Stühle auf dem Neumarkt endlich wieder?“
Der Neumarkt wurde im Sommer 2025 bereits „bestuhlt“ – und das mit ebenfalls großer, positiver Resonanz?
Dörte Gatermann: Richtig, für den Neumarkt hatten wir keine Bewerbung. Aber unser Engagement, im Sommer letzten Jahres für einen halben Tag 100 rote Stühle auf den Neumarkt zu stellen, fand viel Anklang. Die Stühle wurden sofort genutzt und aus einem halben Tag wurden Wochen, denn die Bürgerinnen und Bürger wollten die Stühle weiter nutzen.
Ging das denn so einfach?
Dörte Gatermann: Wir haben eine Möglichkeit gefunden, indem uns 30 sogenannte Stuhlfreunde unterstützten. Sie übernahmen die Aufgabe der Bewachung dieser Stühle ehrenamtlich für zwei weitere Wochen. Das geht mit privatem Engagement natürlich nicht einen ganzen Sommer lang. Aber in Köln bekommt man, wenn man etwas wirklich will, auch Unterstützung – so haben sowohl die Kreissparkasse Köln als auch die Stadtsparkasse KölnBonn sowie KölnBusiness mit dafür gesorgt, dass die Stühle über den ganzen Sommer morgens aufgestellt, bewacht und abends zusammengestellt werden konnten.
Kommen die begehrten Stühle 2026 wieder?
Dörte Gatermann: Ja. Mir wurde zugesagt, dass sie ab dem 19. Juni 2026 wieder aufgestellt werden können. Die Lösung für den Neumarkt ist diesbezüglich da – dank des großen Engagements der Förderer aus dem letzten Jahr.
Hat denn auch die Stadt unterstützt?
Dörte Gatermann: Ja. Zunächst hat die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die bereits im Sommer 24 Schirmherrin wurde, das Projekt engagiert unterstützt. Auch viele Ämter signalisierten grundsätzlich Zustimmung. Jetzt wäre eine innerstädtische Koordination nötig.
Spielt der neue Oberbürgermeister da auch eine Rolle?
Dörte Gatermann: Ja, sogar eine ganz wichtige. Er hat sofort nach Amtsantritt die Schirmherrschaft für 1000 Stühle 1000 Bäume übernommen. Zudem liegt ihm der Neumarkt ganz besonders am Herzen, wie er mir schon im Sommer 2025 gesagt hat. Ich bin für den städtischen Zuspruch insgesamt sehr dankbar.